Erziehung zum Citoyen? Die Anfänge politischer Bildung im Deutschen Kaiserreich

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Ist politische Bildung eine Voraussetzung für Demokratie? Auf welche Normen muss eine demokratische Bildungsarbeit basieren und welche Verhaltensweisen soll sie vermitteln? Diese Fragen sorgten bereits bei der Entstehung der politischen Bildung in Deutschland im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für Streit zwischen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren.

Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert diskutierten sowohl Pädagogen wie Georg Kerschensteiner und Paul Rühlmann als auch Politiker aller Parteien verstärkt über die „staatsbürgerliche Erziehung“ der Bürger und die Einführung eines entsprechenden Schulfachs. Auslöser der Debatten war der kaiserliche Erlass von 1889, der die Volksschulen aufforderte, die Jugendlichen im Geist der monarchischen Ordnung zu erziehen. Denn bereits seit der Einführung des allgemeinen und gleichen Männerwahlrechts im Jahr 1867 versuchten die Parteien mit eigenen Informationsangeboten während und außerhalb des Wahlkampfs, die Bevölkerung in ihrem Sinne zu beeinflussen.

Diese frühen Jahre der politischen Bildung in Deutschland hat die Forschung bislang vorwiegend aus ideengeschichtlicher Sicht beleuchtet. Mit meinem Forschungsprojekt nehme ich dagegen eine gesellschafts- und kulturgeschichtliche Perspektive ein. Dabei betrachte ich die politische Bildung als ein Feld, auf dem staatliche und gesellschaftliche Akteure in unterschiedlichen Konstellationen um die Demokratisierung der Monarchie rangen. Im Mittelpunkt stehen drei Leitfragen: Welche Ziele verfolgten die konkurrierenden Konzepte der politischen Bildung? Welche Akteure rivalisierten auf dem neuen Feld der politischen Bildung miteinander? Wie sah die Praxis politischer Bildung im Kaiserreich aus?

 

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